Kapitel 2 Management von Foresight-Projekten

Foresight-Projekte sind lernintensiv. Jeder nächste Schritt kann neue Erkenntnisse bringen und bisher sicher geglaubtes in Frage stellen. Weil außerdem jeder Projektteilnehmer sein eigenes Bild von der Zukunft hat gehören sie zu den am schwierigsten zu managenden Projekten überhaupt.

Gestaltungsmodell für Foresightprojekte nach K. C. Keller

Gestaltungsmodell für Foresightprojekte nach K. C. Keller

2.1 Beschreibung

Das Management von Foresightprojekten mit den bekannten Projektmanagementtechniken ist schwierig. Diese sind auf Routineprojekte (wie den Bau eines Einfamlilienhauses) optimiert, bei denen sowohl die Lösung (Bauplan) als auch der Lösungsweg (das Bauen) und damit der erwartete Aufwand im Voraus bekannt sind.
Dazu kommt, dass jeder Projektteilnehmer ein eigenes Bild von der Zukunft hat. Um diese individuellen Zukunftsbilder zur Deckung zu bringen muss viel Kommunikation und Austausch der Projektteilnehmer untereinander möglich sein. Der Fachmann spricht dann von Partizipation.

2.2 Durchführung

In Ihrer Projektplanung sollten sie 4 Aspekte berücksichtigen:

Das Vorgehensmodell in diesem Guide hat vier Phasen und ist in der Einführung beschrieben. Es bringt die Methoden zusammen mit den Aktivitäten aus dem Politikmodell in eine Ordnung und Reihenfolge.

Die Methoden ‘füllen’ das Wissensmodell über den Ablauf des Vorgehensmodells. Methoden bilden den Schwerpunkt des vorliegenden Foresight-Guide. Die Methodenmatrix bietet eine kompakte Übersicht hierzu.

Das Wissensmodell strukturiert die Sachebene und macht die Ergebnisse nachvollziehbar und verständlich. Beispiele für Wissensmodelle in diesem Foresight-Guide sind die STEEP-Gliederung im Kapitel Umfeldanalyse und die Gliederung für eine qualifizierte Trendanalyse. Der Aufbau eines Wissensmodells ‘von Null’ kann mit einer Literaturanlyse durchgeführt werden.

Das Politikmodell ist der zentrale Erfolgsfaktor jedes Foresightprojekts. Am Politikmodell unterscheiden sich wirksame und wirkungslose Foresight-Projekte. Dazu mehr in den folgenden Abschnitten

TIPP: Sie können gar nicht genug kommunizieren

Ein häufiges Politikmodell ist das der Studie. Sie wird von Fachexperten erstellt, den Entscheidern vorgelegt und diese können dann ‘informiert entscheiden’. In der Praxis ist der Einfluss von Studien auf Entscheidungen jedoch meist gering, denn die meisten Studien schaffen es nicht, die Zukunftsbilder der Entscheider zu verändern, und damit eine Grundlage für andere Entscheidungen zu legen.

TIPP: Erfolgreiche Politikmodelle sind partizipativ!

Veranstalten Sie z.B. Workshops, Umfragen, Gesprächsrunden. Beziehen Sie Mitarbeiter, Führungskräfte und Geschäftsleitung regelmäßig - aber nicht zu häufig - mit ein. Geben Sie Information, fragen Sie die Beteiligten und Betroffenen nach ihren Zukunftsbildern und geben Sie ihnen die Möglichkeit, sich mit der Zukunft auseinanderzusetzen, schon bevor Ergebnisse verkündet werden. Nehmen Sie Feedback ernst und nutzen Sie es für den Prozess.

Das Managementmodell Bei Rechercheaufgaben ist es leicht, sich in der Fülle des Materials zu verlieren. Foresightprojekte bearbeiten oft offene Fragestellungen, die dazu einladen mehr und mehr, tiefer und tiefer einzusteigen. Darüber kann leicht das eigentliche Thema und der Entscheidungsbezug des Projekts aus dem Blick geraten. Das wirksamste Managementmodell nach unserer Erfahrung ist daher ‘timeboxing’ - die Vorgabe eines festen Zeitkontingents pro Projektphase bzw. für Aufgaben wie die Recherche oder Patentanalyse. Ein zur Aufgabe passendes Wissensmodell fördert die Effizienz zusätzlich.

Gute Foresightprojekte entdecken neues Wissen für Probleme aus der Zukunft. Sie sind Pionierprojekte, denn am Start ist oft weder die Lösung (z.B. wird eine Innovation gesucht) noch der Lösungsweg (z.B. wer hat das notwendige Wissen) bekannt. Daher benötigen sie diesen besonderen Projektmanagementansatz.

2.3 Fazit

Der zentrale Erfolgsfaktor jedes Foresight-Prozesses und Foresight-Projekts ist das Politikmodell. Gestalten Sie den Umgang mit ‘Macht und Einfluss’ in Ihrem Projekt so partizipativ wie möglich.

2.4 Weiterführende Informationen

K. Christoph Keller [Aveniture GmbH], Vorlesung ‘Introductory Futures Studies for Engineers’. HS Emden-Leer. 2017.

Zu partizpativen Politikmodellen: Roswita Königswieser und Alexander Exner: Systemische Intervention: Architekturen und Designs für Berater und Veränderungsmanager (Systemisches Management). Stuttgart: Schäffer Poeschel. 2008.