Kapitel 7 Patentanalyse

Technisches Wissen für die Zukunft nutzen.

7.1 Beschreibung

Die Patentliteratur enthält einen Großteil (80 bis 90% nach Ernst 1996:32) des weltweit vorhandenen technischen Wissens. Oft stellt die Patentliteratur die einzige Informationsquelle dar, über die der Zugang zu technischem Wissen in einem bestimmten Bereicht überhaupt möglich ist. Da alle Patentliteratur einem Erfinder und einem Anmelder - meist einem Unternehmen - zugeordnet werden kann stellt sie außerdem eine wertvolle Quelle von Informationen über Wettbewerber oder mögliche Entwicklungspartner dar. Durch die Einordnung aller Dokumente in eine der Patentklassifikationen sind viele Technologiebereiche einfach recherchierbar.

Ermittlung von Technologietrends durch Patentanalyse: Technologieanteile in der Papierherstellung (Klasse D21). Quelle: aveniture - Ingenieurbüro für Zukunftsforschung

Ermittlung von Technologietrends durch Patentanalyse: Technologieanteile in der Papierherstellung (Klasse D21). Quelle: aveniture - Ingenieurbüro für Zukunftsforschung

7.2 Einsatzgebiet

Schwerpunkt der Methode ist die Technologie-Früherkennung. Außerdem unterstützen Patentanalysen die Wettbewerbsbeobachtung, das Finden von Forschungs- und Kooperationspartnern und das Generieren von neuen Ideen. Die Schritte Identifikation und Analyse benötigen im Mittel eine Woche. Der durchführende Analyst sollte ein gutes Verständnis des betreffenden Technologiebereichs / Wettbewerbsumfelds besitzen.

7.3 Einbindung

Eine statistische Patentanalyse beginnt Teil der Zukunftsanalyse und reicht bis in die Relevanzdiagnose hinein. Gezielte Patentanalysen liefern in allen Phasen passgenaue Information.

7.4 Durchführung

Eine Patentanalyse wird in drei Schritten durchgeführt:

  1. Identifikation. Zu Anfang legen Sie die Perspektive der Analyse fest: Technologien, Erfinder (Personen), Unternehmen, Forschungsinstitute, Ort der Anmeldung (meistens Länder), Zeitraum (von … bis). Meist ist die Ausgangsperspektive eine Technologie (bestimmte Patentklassen) oder eine Anzahl von Unternehmen. Die Zusammensetzung der anderen Perspektiven ist dann Teil des Analyseergebnisses. Legen Sie die Suchbegriffe fest und beschaffen Sie die Daten.

  2. Patentanalyse i.e.S. Aus den vorliegenden Dokumenten - genauer aus deren bibliographischen Daten - werden durch statistische Analyse Patentkennzahlen generiert. Diese Patentkennzahlen werden in vier Klassen eingeteilt: Aktivitäts-, Qualitäts-, Verbindungs- und sonstige Kennzahlen. Die meisten Patentkennzahlen können absolut oder relativ (im Vergleich z.B. zur Gesamtzahl der Dokumente oder als Benchmark zum stärksten Wettbewerber) berechnet werden. Wichtige Patentkennzahlen sind:
    1. Aktivitätskennzahlen. Die Anzahl der Patentanmeldungen insgesamt, bezogen auf einzelne Perspektiven oder Firmen (Patentbenchmarking). Die Anzahl der Patentanmelder, neue und ausscheidende Anmelder und die Verteilung der Anmeldezahlen (sog. Technologieanteile) auf Unternehmen oder Technologien.
    2. Qualitätskennzahlen sind zunächst die Patenterteilungen, insbesondere die Erfolgsrate von Anmeldungen (in einer Technologie, eines Unternehmens, …). Weiterhin die Patentlaufzeit, die Anzahl der Patentzitate, Auslandsanmeldungen, Auslandsquoten sowie Zahl und Größe der Patentfamilien.
    3. Verbindungskennzahlen sind vor allem Ko-Klassifikationen (zeigen Verbindungen zwischen Technologien) und der Anteil der Eigen- bzw. Fremdzitate. Verbindungskennzahlen lassen sich als Patentlandkarten (unter allen genannten Aspekten) darstellen.
    4. Sonstige Kennzahlen sind zum Beispiel Erteilungsdauer und Prüfquote. Im Hinblick auf die zeitliche Veränderung von Aktivitäts-,Qualitäts-, Verbindungs- und sonstigen Kennzahlen sind besonders die Patentwachstumsrate und der Patentbestand von Bedeutung.
  3. Relevanzdiagnose. Die eigentliche Patentanalyse liefert Kennzahlen und deren Kombinationen. In der Relevanzdiagnose fragen Sie, was diese für Ihr Unternehmen, Ihre Technologien und Wettbewerber bedeuten. Setzen Sie das Ergebnis in Bezug zum gesamten Zukunftsbild. Denken Sie dabei an die aktuelle Situation und die möglichen Auswirkungen in der Zukunft. Ermitteln Sie Handlungsoptionen. Legen Sie außerdem fest, welche Entwicklungen / Technologien / Wettbewerber Sie in Zukunft regelmäßig überwachen wollen.

Die Patentliteratur enthält einen Großteil allen technischen Wissens. Eine Patentanalyse nutzt dieses Wissen zur Technologiefrüherkennung und Wettbewerbsanalyse.

7.5 Fazit

Die Patentliteratur enthält einen Großteil allen technischen Wissens. Eine Patentanalyse nutzt dieses Wissen zur Technologiefrüherkennung und Wettbewerbsanalyse. Die Durchführung erfolgt in drei Schritten:

  1. Identifikation: Leitperspektive (Technologie, Wettbewerb, …) festlegen, Suchanfragen formulieren und Daten beschaffen.
  2. Ermitteln der Patentkennzahlen durch statistische Analyse
  3. Handlungsempfehlungen formulieren

7.6 Weiterführende Informationen

Holger Ernst. Patentinformationen für die strategische Planung von Forschung und Entwicklung. Wiesbaden: DUV, Dt.Univ.-Verl. 1996

Arbeitsgemeinschaft Deutscher Patentinformationszentren e.V. http://www.piznet.de/

Kostenlose Patentrecherche: https://www.dpma.de/patente/recherche/index.html