Kapitel 14 Roadmapping

Abteilungsübergreifend Zukunft planen: Roadmaps verbessern die Koordination der Innovationstätigkeiten und verkürzen die Time to market.

“Ein richtiger Steuermann fährt mit zerrissenem Segel, und wenn er die Takelage verloren hat, zwingt er dennoch den entmasteten Rumpf des Schiffes an den Kurs.” Seneca d.J., Briefe über Ethik

14.1 Beschreibung

Ziel des Technologie-Roadmappings ist die abteilungsübergreifende Planung der Unternehmenszukunft. Durch die Integration eines zukunftsweisenden Blicks auf Unternehmensumfeld (vgl. u.a. Umfeldanalyse) und Technologien (vgl. u.a. Patentanalyse) mit der Produkt- und Ressourcenplanung des Unternehmens ergibt sich ein Wettbewerbsvorteil. Roadmaps unterstützen die Produkt-, Technologie- und Ressourcenplanung. Sie schaffen eine logische Verbindung von heutigen und zukünftigen Marktchancen mit dem Produkt-, Technologie- und HR-Management.

Typisches Format für eine Roadmap der 3. Generation

Typisches Format für eine Roadmap der 3. Generation

Roadmaps sind außerdem sehr effektive Kommunikationsinstrumente. An die Stelle vieler bilateraler Abstimmungsrunden zwischen Abteilungen tritt ein strukturierter Prozess. Das spart Zeit und Kommunikationsaufwand. Außerdem eignen sich Roadmaps hervorragend, um Schlüsselkunden durch einen konkreten Ausblick auf die Produkte und Leistungen der Zukunft an das Unternehmen zu binden.

14.2 Einsatzgebiet

Roadmapping schließt Foresightprojekte konkret ab und schafft einen Übergang von der Vorausschau zur Planung. Abhängig von der Detailtiefe, der Anzahl der beteiligten Abteilungen und der Anzahl der Produktlinien, für die eine Rodmap erstellt wird dauert ein Roadmapping-Prozess zwischen zwei Tagen und drei Monaten. Eine typische Roadmap kann in vier Tagesworkshops erstellt werden. Die Vorgehensweise dazu ist unten angegeben.

14.3 Einbindung

Ein gemeinsames geteiltes Zukunftsbild oder eine gemeinsame Vision der Teilnehmer aus einem vorausgehenden Foresight-Prozess steigert die Effizienz von Roadmapping-Projekten stark. Bereiten Sie die Ergebnisse in der Vorbereitungsphase im Roadmap-Format auf.

14.4 Durchführung

14.4.1 Vorbereitung

  1. Legen Sie fest, wer den Roadmap-Prozess führt.
  2. Legen Sie fest, welches Ziel der Roadmap-Prozess hat: für welche Produkte, Abteilungen, Zeitraum usw. soll die Roadmap erstellt werden.

TIPP: Planen Sie für die jetzige und zwei weitere Produktgenerationen voraus.

  1. Machen Sie das vorhandene Wissen integrierbar. Bereiten Sie Prognosen, die Ergebnisse der Umfeldanalyse, Szenarien, Auswirkungs- und Trendanalysen als eigenständige (explorative) Roadmaps auf.
  2. Jede Roadmap benötigt einen Rhythmus. Für die meisten Unternehmen geben die Leitmessen zu denen neue Produkte vorgestellt werden diesen Rhythmus vor.
  3. Stellen Sie außerdem die kommerziellen Anforderungen (Umsatz- und Wachstumserwartungen, Kostenziele usw.) des Unternehmens ebenfalls als eine Zeile der Roadmap dar. Dies sind wichtige Treiber für das Roadmapping.
  4. Legen Sie fest, welche Abteilungen am Roadmapping teilnehmen sollen (Minimum Vertrieb und Produktentwicklung, wenn vorhanden auch das Produktmanagement. Außerdem empfohlen Personal und IT für die Ressourcenseite.)

14.4.2 Workshop 1: Marktentwicklung

Teilnehmer: Wissensträger aus dem Foresight-Projekt (Umfeld-Aspekt), Entscheider und Mitarbeiter aus Vertrieb, Marketing, Produktmanagement

Schlüsselrolle: Vertrieb / Marketing

Thema: Marktentwicklung

  1. Vorstellen des Projekts, der kommerziellen Anforderungen und des Roadmap-Rhythmus.
  2. Vorstellen der explorativen Roadmaps aus dem bisherigen Foresight-Prozess.
  3. Was treibt die Kunden und ihre Bedürfnisse? Wie werden sich die Anforderungen der Kunden in Zukunft entwickeln? Welche Produkteigenschaften und -funktionen werden weiterhin nachgefragt werden, welche verbessert oder neu, welche weniger oder nicht mehr? An welchen Leistungsmaßen misst der Kunde das Produkt / die Leistung?
  4. Aufstellen einer vorläufigen Roadmap für die weitere Evolution der Produkteigenschaften und Leistungsfähigkeit.

14.4.3 Workshop 2: Produkte

Teilnehmer: Wissensträger aus dem Foresight-Projekt (Umfeld-Aspekt), Entscheider und Mitarbeiter aus Vertrieb, Marketing, Produktmanagement, Entwicklung

Schlüsselrolle: Produktmanagement

Thema: Produkte/Leistungen und Ideen für Produkte/Leistungen

  1. Vorstellen des Projekts, der kommerziellen Anforderungen und des Roadmap-Rhythmus.
  2. Vorstellen der vorläufigen Roadmap aus dem 1. Workshop
  3. Evolution der Produkte/Leistungsangebote - wie werden sich die bestehenden Angebote weiter entwickeln? Welche Leistungsfähigkeit haben sie, welche Produkteigenschaften und -funktionen?
  4. Welche neuen Produkte sind möglich / denkbar / geplant? Was bedeuten Evolution und Marktanforderungen für diese Pläne? Werden über den Plan hinaus neue oder weiterentwickelte Leistungen und Produkte erforderlich?
  5. Was ist der Wert einzelner Produkte für die Zukunft?
  6. Produktstrategie - Soll eine Differenzierung in Basis- und High-End Produkte erfolgen? Bedeutet Weiterentwicklung immer höhere Leistungsfähigkeit oder ggf. auch einfachere Produkte / Leistungen? Welches Mischungsverhältnis aus neuen und weiterentwickelten Produkte streben Sie an? Welchen Innovationsgrad?
  7. Stellen Sie eine vorläufige Roadmap für die Zukunft Ihrer Produkte / Leistungen auf.

14.4.4 Workshop 3: Technologien

Teilnehmer: Wissensträger aus dem Foresight-Projekt (Technologie-Aspekt), Entscheider und Mitarbeiter aus Vertrieb, Marketing, Produktmanagement, Entwicklung

Schlüsselrolle: Entwicklung

Thema: Technologie - Wie werden die Produktanforderungen erfüllt

  1. Vorstellen des Projekts, der kommerziellen Anforderungen und des Roadmap-Rhythmus.
  2. Vorstellen der vorläufigen Roadmaps aus dem 1. und 2. Workshop
  3. Welche technischen Lösungen für die Produktanforderungen gibt es?
  4. Was ist der Beitrag der Produktionstechnologien dazu?
  5. Technology-Push: Welche neuen Produkte, Eigenschaften, Leistungen werden durch neue Technologien möglich?
  6. Technologiestrategie - Was ist der Wert einzelner Technologien für die Zukunft? Welche Technologien werden auslaufen, welche werden neu benötigt, welche sind besonders wichtig? 7 Stellen Sie eine vorläufige Roadmap für die Zukunft Ihrer Technologien auf.

14.4.5 Workshop 4: Roadmap-Integration

Teilnehmer: Entscheider aus Vertrieb, Marketing, Produktmanagement, Entwicklung, HR, IT

Thema: Roadmapping

  1. Stellen Sie die vorläufigen Roadmaps für die Markt-, Produkt- und Technologieperspektive aus den Workshops 1-3 nebeneinander.
  2. Entwickeln Sie eine schlüssige Gesamt-Roadmap und Berücksichtigung der Zeit, die für die einzelnen Vorgänge (z.B. die Produkt- oder Technologieentwicklung) notwendig ist.
  3. Legen Sie unter Berücksichtigung der Kapazität Prioritäten fest.
  4. Vereinbaren Sie Meilensteine

14.4.6 Eine Roadmap soll ‘leben’ und ‘gelebt werden’.

Als Kommunikations- und Koordinationsinstrument wirkt eine Roadmap umso besser, je konstanter die Beschäfigung mit ihr während der Umsetzungsphase stattfindet. Belassen Sie es nicht bei einer einmaligen Übung sondern leben Sie die Roadmap als wichtiges Managementinstrument. Eine Roadmap sollte jährlich durchgesehen und alle 2-3 Jahre grundlegend überarbeitet werden.

14.5 Fazit

Roadmaps übersetzen das Zukunftsbild / die Vision der aus einem Foresight-Prozess konkret in die die Produkt-, Technologie- und Ressourcenplanung.

Eine Roadmap z.B. für eine Produktfamilie kann bei guter Vorbereitung in vier Workshops innerhalb von 2-4 Wochen erstellt werden:

  1. Zukunft & Markt
  2. Produkte
  3. Technologien
  4. Roadmap-Integration

Um wirksam zu werden muss eine Roadmap dann ‘leben’ und ‘gelebt werden’ – sie darf nicht in der Schublade verschwinden sondern soll Teil von Planung und Strategie sein.

14.6 Weiterführende Informationen

EIRMA (European Industrial Research Management Association). Technology Roadmapping - Delivering Business Vision. Working group reports, Nr. 52. Paris: European industrial Research Management Association. 1997

Farrukh, Clare; Phaal, Robert; Probert, David. Technology Roadmapping - linking technology resources into business planning. In: International Journal of Technology Management, Vol. 26, Nr. 1. 2003. S. 2-19

Kostoff, Ronald N.; Schaller, Robert R. Science and Technology Roadmaps. In: IEEE Transactions on Engineering Management, Vol. 48, Nr. 2. 2001

Phaal, Robert; Farrukh, Clare. Starting-up roadmapping fast. In: Research Technology Management, Vol. 46 Nr. 2. 2003. S. 52-57